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2021 hat Andreas Wundersee das Buch „Artificial Thinking. Gedanken über den Weg zum Visionären“ geschrieben. Im Zuge der Ausstellung „AUTOMATIC DREAMS“ hat er mit Florian Kuhlmann über das Buch gesprochen.

Rationales Denken befasst sich mit Wissen, emotionales Denken beruht auf Empathie und künstliches Denken bzw. Artificial Thinking ist ein Begriff für den Umgang mit der eigenen Fantasie, eigenen Träumen und Ängsten. „Rational thinking is boring“ hat Florian Kuhlmann in der Ausstellung „AUTOMATIC DREAMS“ an die Wand geschrieben und im Gespräch mit Andreas Wundersee geht es zu Beginn darum, dass wir mit rationalen Gedanken an Grenzen stoßen.

»Rational Thinking Is Boring« von Florian Kuhlmann

Rational thinking is boring von Florian Kuhlmann

Nicht alles kann unmittelbar rational erklärt werden, auch wenn es hilft Gefühle und Gedanken rational zu reflektieren. Im Gespräch wirft Florian die Frage auf, warum wir drei Denkebenen benötigen: „Warum rationales, emotionales und künstliches Denken – würde nicht rationales und irrationales Denken ausreichen?“ Rational und irrational sind zwei Teile der Welt. Rationales versuchen wir mit Wissen zu verstehen, aber wie gehen wir mit Irrationalem um? Empathie und Fantasie sind Zugänge für einen bewussteren Umgang mit Gedanken und Erlebnissen, die wir nicht nur rational verarbeiten können.

Alain de Botton hat die School of Life gegründet um emotionales Denken zu schulen. Empathie können wir genauso wie Wissen erlernen und Empathie hilft, uns selbst besser zu verstehen, ruhiger zu werden und unsere Widerstandsfähigkeit zu verbessern.

Künstliches Denken hingegen ist kein Meta-Denken, wie Florian Kuhlmann im Gespräch wissen möchte, sondern es ist der Versuch etwas zu beschreiben, was wir individuell erleben: die Verarbeitung unserer Fantasie, unserer Träume und Ängste. Künstliches Denken findet beispielsweise statt, wenn wir uns scheinbar in unseren Gedanken verlieren und es kann dabei helfen, rationale Denkmuster aufzubrechen. Eine Künstliche Intelligenz kann das im Gegensatz zum Menschen (noch) nicht. Erst wenn sie eine eigene Fantasie entwickelt und künstlich Denken kann, dann kommt sie dem Menschen sehr nahe.

Artificial Thinking - Andreas Wundersee

Dreiklang aus Wissen, Empathie und Fantasie

Wenn Wissen, Empathie und Fantasie einen Dreiklang bilden, entscheiden wir bewusster: diese These ist das Fazit des Buches ohne dafür wissenschaftliche oder philosophische Grundlagen zu liefern. Florian stellt daher die Frage, warum es keine inhaltlichen Bezüge zu anderen Werken gibt, die sich mit dem menschlichen Denken befassen. Das Buch soll als kurzer Text Anstöße über das eigene Denken liefern. Es ist nicht der Versuch einer umfassenden Betrachtung des menschlichen Denkens.
Der Begriff des „Artificial Thinking“ ist als Reaktion auf das „Design Thinking“ entstanden. Design Thinking ist ein Prozess aus dem Kommunikationsdesign. Es ist der Versuch Probleme gestalterisch zu lösen. „Artificial Thinking“ sollte dem künstlerischen Denk- und Arbeitsprozess einen Namen zu geben. Künstler werden immer wieder mit der Frage konfrontiert wie sie zur Idee für ein Kunstwerk gekommen sind – „Artificial Thinking“ war die Antwort von Andreas Wundersee.

Was ist „Artificial Thinking“?

„Artificial Thinking“ war allerdings keine Antwort, sondern hat zu weiteren Fragen geführt. Was „Artificial Thinking“ genau ist, sagt Andreas Wundersee im Gespräch mit Florian Kuhlmann, kann er selbst nicht richtig definieren, weil die Fantasie in unterschiedlichen Situationen zum Vorschein kommt. Beispielsweise beim Joggen, in einem Gespräch oder bei der Umsetzung einer Idee. Die Galerie Wundersee ist aus solch einer Idee hervorgegangen. Es war keine Vision, die seit Jahren existierte. Andreas hatte zwar den Wunsch irgendwann über Räume zum Arbeiten, für Veranstaltungen und Ausstellungen zu verfügen. Die Idee zur Galerie Wundersee entstand aber erst auf der Suche nach Räumen für eine einmalige Ausstellung. Jetzt geht es darum eine Vision zu entwickeln, um die Galerie Wundersee zu etablieren.

Zusammenschnitt des Gesprächs zwischen Andreas Wundersee und Florian Kuhlmann. Das ganze Gespräch.

Florian zitiert im Gespräch den ehemaligen Kanzler Helmut Schmidt und sagt: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen – wie siehst Du das?“ Wer eine Vision hat, sollte sich vor allem weniger mit der Vision, sondern mit dem Weg und der Realisierung der Vision auseinandersetzen. Andreas spricht daraufhin darüber, dass er an sich selbst beobachtet hat, dass dieser Weg einfacher fällt, wenn man dem eigenen Wissen, seiner Empathie und Fantasie vertraut.

„Was mache ich damit, wenn ich mich auf das Unbewusste einlasse, wenn ich kein Künstler bin? Was bringt mir all das?“, fragt ein Zuhörer im Anschluss an das Gespräch. Die Antwort von Florian und Andreas: es kann helfen sich mit einem selbst zu beschäftigen und damit Dinge über sich zu erfahren und zu wachsen. Und das ist nicht nur für Künstler interessant.

Dieser Text ist nur ein Auszug des Gesprächs zwischen Andreas Wundersee und Florian Kuhlmann. Das vollständige Gespräch finden Sie auf dem YouTube-Kanal der Galerie Wundersee. Das Buch können Sie im Handel sowie in unserem Online-Shop kaufen – es gibt auch ein eBook.

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