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NFTs sind ein Geschenk für Künstler:innen, die digitale Inhalte produzieren, hallt es durch Teile der digitalen Welt – die meisten digitalen Werke gibt es zwar weiterhin geschenkt, weil alles was digital öffentlich einsehbar ist mit wenigen Klicks lokal abgespeichert werden kann. Durch NFTs gibt es jetzt aber digitale Besitzurkunden. Bislang wurden digitale Werke als gedruckte Editionen verkauft oder es wurden andere Lösungen gefunden, um Digitales analog zu verkaufen.

Rafaël Rozendaal hat vor einigen Jahren ein Plugin für den Chrome Browser entwickelt. Wer das Plugin „Abstract Browsing“ installiert, hat die besuchten Webseiten als farbige Flächen gesehen. Das Plugin hat die DIV-Container-Struktur einer Webseite mit Farben gefüllt. Von einigen Webseiten ließ Rozendaal Teppiche anfertigen, die 2016 in der dazugehörigen Ausstellung verkauft wurden – heutzutage hätte er sein Plugin möglicherweise wie andere seiner neusten Arbeiten als NFT verkauft.

Die Webseite der Galerie Wundersee mit dem Chrome-Plugin „Abstract Browsing“ von Rafaël Rozendaal

Exkurs: Wofür steht NFT?

„NFT steht für „Non-Fungible Token“ und beschreibt einen nicht-austauschbaren Wert. Damit steht ein NFT im Gegensatz zu austauschbaren Werten, wie etwa einer Währung. (…) Zum Beispiel können vier 5-Euro-Scheine gegen einen 20-Euro-Schein getauscht werden, ohne dass sich der Wert dabei ändert. (…) NFTs sind das genaue Gegenteil. Jedes NFT ist einzigartig und kann nicht durch einen anderen Gegenstand ersetzt werden. Ein gutes Beispiel für solche Gegenstände sind etwa berühmte Gemälde. Man kann nicht einfach einen van Gogh mit einem Poster aus dem Museumsladen ersetzen. Das Poster hat nicht den gleichen Wert wie das echte Gemälde.“

Quelle: www.techbook.de/mobile/nft-digitale-sammelobjekte, Stand 07.11.2021

Durch die Blockchain-Technologie ist der Verlauf und Verkauf von NFTs einsehbar. Die Provenienz, die Herkunft eines Kunstwerks, ist gesichert und eigentlich nicht mehr fälschbar; der technische Aufwand, um eine Blockchain, die dezentral aufgebaut ist, zu hacken und zu verändern, ist zumindest momentan zu hoch.

Für NFTs gibt es allerdings keinen Standard und die digitalen Verkaufsplattformen nutzen unterschiedliche Blockchain-Technologien. Die König Galerie aus Berlin nutzt auf MISA.art die flow Blockchain. Viele andere Plattformen auf denen Kunst verkauft wird, wie beispielsweise Opensea.io, nutzen Ethereum. Wer ein digitales Kunstwerk kauft, besitzt am Ende einen Schlüssel, der mit der gekauften Datei verknüpft ist. Die NFTs werden dann in einer digitalen Wallet aufbewahrt. Somit benötigen Sammler:innen für ihre digitalen Kunstwerke kein physisches Depot, sondern das Kunstdepot ist die digitale Wallet. Die digitale Infrastruktur existiert aber natürlich nur aufgrund technischer Geräte.

Sind NFTs nur für Kunstspekulant:innen?

Warum sollte man ein digitales Werk besitzen, wenn es für alle gleichermaßen verfügbar ist? Jack Rusher schreibt dazu in seinem Artikel „What does it mean to buy a GIF“ (dt. „Was es bedeutet, ein GIF zu kaufen“):

When we hear someone say something like “why would I buy it when I could just screenshot the PNG?”, the questioner has misidentified what, exactly, is for sale. An NFT does not represent the PNG, but rather the signature of the artist in the context of that PNG.

(Dt.: Wenn jemanden fragt, „Warum sollte ich es kaufen, wenn ich von der PNG-Datei einen Screenshot machen kann?“, hat der Fragesteller nicht verstanden, was genau zum Verkauf steht. Ein NFT stellt nicht die PNG-Datei dar, sondern die Unterschrift des Künstlers der PNG-Datei.)

Das Verständnis und die Akzeptanz digitaler Kunst kommt langsam in der Kunstwelt an und Digital Artist springen aus der Nische auf die große Bühne. Die König Galerie hat beispielsweise gemeinsam mit Porsche für mehrere Monate, jeweils für eine Stunde, digitale Werbeflächen an bedeutenden Plätzen auf der ganzen Welt gemietet. Unter anderem am Times Square in New York werden die Arbeiten von elf Künstler:innen gezeigt. Die Werke werden als offene NFT-Edition über MISA.art verkauft. Mit MISA.art scheint die König Galerie eine globale Verkaufsplattform für Kunst an sich zu binden – ob es das Amazon der Kunstwelt wird, wird sich zeigen. Auf jeden Fall hilft es die Aufmerksamkeit für NFTs zu erhöhen und das Bewusstsein potentieller Kunstkäufer:innen für NFTs zu schärfen.

Der NFT-Hype wird auch durch Kunstspekulant:innen befeuert, die wie bei Kryptowährungen auf Kurssteigerungen spekulieren. Das digitale Werk „Everydays: The First 5000 Days“ von Mike Winkelmann aka Beeple wurde beispielsweise im Februar 2021 von Christie’s für 69 Millionen US-Dollar versteigert. Der zunächst anonyme Käufer ist ein Fond, der NFTs sammelt und durch den spektakulären Deal – Beeple ist dadurch aktuell hinter Jeff Koons und David Hockney, der drittteuerste lebende Künstler – viel Aufmerksamkeit auf NFTs gerichtet hat; das Werk wurde daher wohl nicht nur gekauft, um es zu besitzen. Nichtsdestotrotz sind NFTs nicht nur für Spekulant:innen, sondern für alle die Kunst lieben.

Was wäre, wenn Sie ein GIF nicht nur verschicken, sondern verschenken könnten?

Bei TikTok kann man Content Creatorn durch Emojis nicht nur symbolische Anerkennung schicken, sondern auch Geld. Patreon ist eine Plattform über die Creator von ihrer Community monatliche Beiträge einsammeln können. Und bei Twitch können Follower den Creatorn ebenfalls Geld schicken. Follower zeigen dadurch, dass sie die digitalen Inhalte als wertvoll ansehen.

NFTs geben digitalen Kunstwerken einen Wert. Bislang haben viele digitale Künstler:innen nach alternativen Einnahmequellen gesucht; beispielsweise indem sie ihre digitalen Kenntnisse verkauft haben. Beeple hat unter anderem für Justin Bieber und Ariana Grande Konzertvisuals gestaltet. Indem mit digitaler Kunst Geld verdient werden kann, ist es für Künstler:innen noch interessanter digital frei zu arbeiten und damit die digitale Welt zu bereichern. Wie lange der Hype anhält und ob die ein oder andere Blase platzt, wird sich zeigen. Genauso wie, ob es eine Nachfrage nach GIFs gibt, die nicht nur verschickt, sondern auch verschenkt werden können? Das könnte die Neuauflage des JAMBA-Sparabos bedeuten; für GIFs, statt für Klingeltöne. Mit Kunst hätte das wohl nicht mehr viel zu tun, wobei Andy Kassier bereits bewiesen hat, dass ein Kunstwerk zum GIF bzw. zum Meme werden kann.

GIF von Andy Kassier (Quelle: GIPHY.com)

Wir haben aktuell keine NFTs im Angebot, aber ich bin davon überzeugt, dass auch die Galerie Wundersee zur gegebenen Zeit NFTs anbieten wird. Wann ist offen, aber manchmal geht es schneller als man denkt…

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